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Freitag, 3. Juni 2011

Allégorie

C'est und femme belle et de riche encolure,
Qui laisse dans son vin traîner sa cheveleur.
Les griffes de l'amour, les poisson des tripot,
Tout glisse et tout s'émousse au granit de sa peau.
Elle rit à la Mort et nargue la Débauche,
Ces monstres dont le main, qui toujours gratte et fauche,
Dans ses jeux destructeurs a pourtant respecté
De ce corps ferme et droit la rude majesté.
Elle marche en déesse et repose en sultane;
Elle a dans le plaisir la foi mahométane,
Et dans ses bras ouverts, que remplissent ses seins,
Elle appelle des yeux la race des humains.
Elle croit, elle sait, cette vierge inféconde
Et pourtant nécessaire à la marche du monde,
Que la beauté du corps est un sublime don
Qui de toute infamie arrache le pardon.
Elle ignore l'ignore l'Enfer comme le Purgatoire,
Et quand l'heure viendra d'entrer dans la Nuit noire,
Elle regardera la face de la Mort,
Ainsi qu'un nouveau-né, – sans haine et sans remords.

Allegorie

Ein schönes Weib ist sie von üppiger Gestalt,
Im Weine schleift ihr Haar, das reich herniederwallt.
Der Kneipen Gifte und der Liebe Tatzen
Können die Haut aus Marmor nicht zerkratzen.
Sie höhnt den Tod, kein Laster kann sie schänden,
Von dieser Ungeheuer raffgierigen Händen,
Die ein zerstörerisches Spiel gewohnt,
Blieb ihres festen Leibes Majestät verschont.
Sultanin, wenn sie ruht, Göttin, wenn sie sich regt;
Den Glauben an die Lust wie ein Moslem sie hegt,
Die ganze Menschheit lockt ihr Auge unverhüllt
In ihre offenen Arme, die ihr Busen füllt.
Die unfruchtbare Jungfrau glaubt und denkt,
Da sie den Lauf der Welt gleichwohl beschenkt,
Daß, wer erhabene Leibesschönheit hat,
Verzeihung findet für die schlimmste Tat.
Sie kennt kein Fegefeuer, keine Höllenpein,
Führt ihre Stunde sie in schwarze Nacht hinein,
Wird sie des Todes Antlitz frei ins Auge fassen,
Wie neugeboren – ohne Reu und Hassen.

Charles Baudelaire, übersetzt von Monika Fahrenbach- Wachendorff

Donnerstag, 5. Mai 2011

Hymne

À la très chère, à la très belle
Qui remplit mon coeur de clarté,
À l’ange, à l’idole immortelle,
Salut en l’immortalité!

Elle se répend dans ma vie
Comme un air imprégné de sel,
Et dans mon âme inassouvie
Verse le goût de l’eternel.

Sachet toujours frais qui perfume
L’atmosphère d’un cher réduit,
Encensoir oublié qui fume
En secret à travers la nuit,

Comment, amour incorruptible,
T’expremer avec vérité?
Grain de musc qui gis, invisible,
Au fond de mon éternité!

À la très bonne, à la très belle,
Qui fait ma joie et ma santé,
À l’ange, à l’idole immortelle,
Salut en l’immortalité!

Charles Baudelaire

Montag, 11. April 2011

Der Mensch und das Meer


Du freier Mensch, der Meere liebt und preist!
Dein Spiegel sind sie, der die Seele zeigt,
Wo ohne Ende Brandung fällt und steigt;
Nicht minder bittrer Abgrund ist dein Geist.

Und du vertiefst dich und umgreifst dein Bild
Mit Aug und Arm, aus seinem eigenen Brüten
Löst manchmal sich dein Herz bei diesem Wüten
Und dieser Klage, unbezähmbar wild.

Verschwiegen beide, dunkel wie die Nacht:
Mensch, wer kann deine Tiefen je ergründen,
Meer, wer kann deinen innern Reichtum finden,
Da ihr Geheimnisse mit Eifersucht bewacht!

Schon seit Jahrtausenden und immer wieder
Stürzt ihr euch mitleidlos in euren Streit,
So sehr liebt ihr den Tod und Grausamkeit,
O ewige Kämpfer, o entzweite Brüder!

*

L'Homme et la mer

Homme libre, toujours tu chériras la mer!
La mer est ton miroir; tu contemples ton âme
Dans le déroulement infini de sa lame,
Et ton esprit n'est pas un gouffre moins amer.

Tu te plais à plonger au sein de ton image;
Tu l'embrasses des yeux et des bras, et ton coeur
Se distrait quelquefois de sa propre rumeur
Au bruit de cette plainte indompable et sauvage.

Vous êtes tous les deux ténébreux et discrets:
Homme, nul n'a sondé le fond de tes abîmes;
Ô mer, nul ne connaît tes richesses intimes,
Tant vous êtes jaloux de garder vos secrets!

Et cependant voilâ des siècles innombrables
Que vous vous combattez sans pitié ni remord,
Tellement vous aimez le carnage et la mort,
Ô lutteurs éternels, ô frères implacables!

Charles Baudelaire, übersetzt von Monika Fahrenbach-Wachendorff

Mittwoch, 23. Februar 2011

Spleen und Ideal

Wie lieb ich dieser nackten Zeiten Bild
Mit Statuen, von Phöbus' Gold umspielt,
Als Mann und Weib sich aneinander freuten,
Lebhaft und ohne Falsch und Ängstlichkeiten,
Und stählten sie die Kraft der edlen Glieder,
Sah liebevoll der Himmel auf sie nieder.
Kybele, fruchtbar, voller reicher Gaben,
Schien an den Söhnen keine Last zu haben,
Das Herz der Wölfin zärtlich überging,
Das All an ihren braunen Zitzen hing.
Der Mann war stolz auf seiner Schönen Schar,
Für die er, stark und vornehm, König war,
Früchte, die makellos und rein zu preisen,
verlockend, in ihr festes Fleisch zu beißen!

Doch will der Dichter heute noch gewahren
Die Herrlichkeiten, die am Ursprung waren,
Wenn Mann und Weib ihm ihre Nacktheit zeigen,
Faßt seine Seele kaltes, finsteres Schweigen.
Ein grauenvolles Bild muß er da sehn:
O Mißgestalten, die um Kleider flehn!
O lächerliche Rümpfe, der Maskierung wert!
Arme, verkrampfte Körper, bäuchig, abgezehrt,
Vom Gott des Nutzens, heiter, ungerührt
Als Kinder schon in erzene Windeln eingeschnürt!
Und Frauen, blaß wie Kerzen anzuschauen,
Genährt, verzehrt vom Laster, und auch ihr, Jungfrauen,
Vom Fluch der Mütter seid ihr nicht befreit,
Erbt ihn mit aller Schmach der Fruchtbarkeit!

Gewiß, Schönheiten gib's in unserm Land,
Die waren alten Völkern unbekannt:
Gesichter , die von brandigen Herzen künden,
Der Sehnsucht Schönheit mag man darin finden;
Doch was die späte Muse sich erdacht,
Hat dies Geschlecht nicht davon abgebracht,
Daß es der Jugend Huldigung bezeigt,
- Der heiligen Jugend, sanft die Stirn geneigt,
Das Auge hell, wie Wasser klar, ganz schlicht,
Verströmt sie überall und sorgt sich nicht,
Wie Himmel, Vögel, Blumen, die da blühen,
Ihr Duften, Singen und ihr sanftes Glühen!

Charles Baudelaire (Übersetzung von Monika Fahrenbach-Wachendorff)

Dienstag, 22. Februar 2011

Übereinstimmungen

Natur: ein Tempelblau, lebendige Säulen ragen,
Manchmal daraus ein wirres Wort entflieht;
Der Mensch durch Wälder von Symbolen zieht,
Die mit vertrauten Blicken ihn befragen.

Wie lang ein Hall und Widerhall von weit
In Eines dunkel tief zusammenklingen,
Ton, Duft und Farbe ineinander schwingen,
Endlos wie Nacht und wie die Helligkeit.

Und Düfte gibt es, frischer als ein Kind,
Wie Wiesen grün, süß wie Oboen tönen,
- Und andere, die verderbt und üppig sind,

Die triumphierend sich unendlich dehnen,
Wie Ambra, Moschus, Mandel, Myrrhe singen
Verzückungen, die Geist und Sinn durchdringen.

Charles Baudelaire (1861) übersetzt von Monika Fahrenbach-Wachendorff

Freitag, 18. Februar 2011

An den Leser

Torheit, Sünde, Geiz und Irrtum zehren
An unserm Leib, besetzen unsern Geist;
Und jeder seine lieben Skrupel speist,
Wie Bettelleute Ungeziefer nähren.

Verstockte sind wir, die nur lau bereun,
Doch wenn es lohnt, auch manches eingestehn,
Dann munter auf dem Sumpfweg weitergehn
Und glauben, Tränen waschen alles rein.

Satan, der Dreimalgroße, wiegt allzeit
Auf Bösem weich gebettet das Gemüt,
Und das Metall der Willenskraft verglüht
Durch dieses Alchimisten Fertigkeit.

Der Teufel hält die Fäden, die uns leiten!
Wir finden Lust an widerlichen Dingen,
Die täglich uns der Hölle näherbringen,
Furchtlos, durch üblen Dunst und Dunkelheiten.

Lüstlingen gleich, die gierig schmatzend küssen
Von alten Huren die zerquälten Brüste,
Stehlen wir hastig unerlaubte Lüste,
Die wir wie Apfelsinen pressen müssen.

Und wie von Würmern, die sich wimmelnd drängen,
Wird von Dämonen unser Hirn verschlungen,
Mit unserm Atem fließt in unsre Lungen
Der unsichtbare Tod mit Klagesängen.

Wenn die Gewalt, das Gift, der Dolch und Brand
Noch nicht das Jammerleben, das wir führen,
Auf dem Entwurf mit hübschen Mustern zieren,
So, weil die Kühnheit unsrer Seele schwand!

Doch unter Panthern und Schakalen aller Arten,
Den Affen, Geiern, Schlangen, die sich winden,
Den Ungeheuern, die wir heulend finden,
Kreischend und knurrend in des Lasters Garten,

Ist eins vor allen häßlich und gemein!
Zwar schreit es nicht und scheint sich kaum zu regen,
Doch würd es gern die Welt in Trümmer legen
Und schlänge gähnend sie in sich hinein;

Die Langeweile ist's! - Das Auge tränenreich
Raucht sie die Wasserpfeife, träumt vom Blutgericht.
Kennst du das heikle Ungeheuer nicht,
- Scheinheiliger Leser - Bruder, du - mir gleich!

Charles Baudelaire (1861) übersetzt von Monika Fahrenbach-Wachendorff

Sonntag, 13. Februar 2011

Charles Baudelaire

Man soll niemandes Sensibilität verachten. Eines jeden Sensibilität ist sein Genie.

Ist die Arbeit nicht das Salz, welches die mumifizierten Seelen konserviert?

Nach einer Ausschweifung fühlt man sich immer viel einsamer, viel verlassener.