Ausnahmsweise interessierte mich die Realität, weil sie, hervorgegangen aus der Phantasie, die mir die Liebe zu ihr einflösste, gewissermassen zu deren Rechtfertigung wurde, sie vertiefte.
Marcel Proust
Mittwoch, 3. November 2010
Dienstag, 2. November 2010
Montag, 1. November 2010
Liebe und Kunst
Liebe und Kunst umarmen nicht was schön ist, sondern was eben dadurch schön wird.
Karl Kraus
Karl Kraus
Freitag, 29. Oktober 2010
Die Liebe macht gleich
532.
"Die Liebe macht gleich". — Die Liebe will dem Andern, dem sie sich weiht, jedes Gefühl von Fremdsein ersparen, sie ist folglich voller Verstellung und Anähnlichung, sie betrügt fortwährend und schauspielert eine Gleichheit, die es in Wahrheit nicht gibt. Und dies geschieht so instinktiv, dass liebende Frauen diese Verstellung und beständige zarteste Betrügerei ableugnen und kühn behaupten, die Liebe mache gleich (das heißt sie tue ein Wunder!). — Dieser Vorgang ist einfach, wenn die eine Person sich lieben lässt und es nicht nötig findet, sich zu verstellen, vielmehr dies der anderen, liebenden überlässt: aber nichts Verwickelteres und Undurchdringbareres von Schauspielerei gibt es, als wenn beide in der vollen Leidenschaft für einander sind und folglich Jeder sich aufgibt und sich dem Anderen gleichstellen und ihm allein gleichmachen will: und keiner zuletzt mehr weiß, was er nachahmen, wozu er sich verstellen, als was er sich geben soll. Die schöne Tollheit dieses Schauspiels ist zu gut für diese Welt und zu fein für menschliche Augen.
Nietzsche
Samstag, 23. Oktober 2010
Flamme bin ich sicherlich
Ja, ich weiß, woher ich stamme,
Ungesättigt gleich der Flamme
Glühe und verzehr’ ich mich.
Licht wird alles was ich fasse,
Kohle alles, was ich lasse,
Flamme bin ich sicherlich.
Nietzsche
Ungesättigt gleich der Flamme
Glühe und verzehr’ ich mich.
Licht wird alles was ich fasse,
Kohle alles, was ich lasse,
Flamme bin ich sicherlich.
Nietzsche
Donnerstag, 21. Oktober 2010
… denn wenngleich sie sich in einer Hälfte ihres Lebens (die beendet war, was Swann betraf) von dem einzigen Grundsatz hatte leiten lassen, der ihr einleuchtete, und der lautete, dass man mit Männern, die einen lieben, anstellen könne, was einem beliebt, da sie „solche Dummbärte“ seien (ein Grundsatz, der sich in ihren Zügen durch ein boshaftes Zwinkern verriet, das zu sagen schien: „Seien Sie unbesorgt, er wird nichts zerschlagen“), hatte ihr eine Bildhauerin, die sie vor einigen Jahren kennengelernt hatte und der sie grosse Bewunderung entgegenbrachte, einen anderen Grundsatz erläutert, der Odette inzwischen oft in den Sinn kam, wenn von Swann die Rede war, worauf sie gelangweilt die Brauen verzog und die Schultern zuckte, als wolle sie sagen: „Nun ja, unmöglich ist nichts. Wundern würde es mich nicht!“, denn dieser zweite Grundsatz besagte, dass man bei Männern auf alles gefasst sein müsse, wenn sie nicht mehr verliebt sind, da sie solche Trottel seien.
Marcel Proust
Marcel Proust
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